Letzte Änderung 01/2010

Noch Fragen?

www.wohnen-in-jugenheim.de

Inhalt

AKW-Weiterbetrieb

Kritik am Wahlprogamm der SPD 2009

Beitrag zum 1. mai 2009

Dies ist eine lose Sammlung von Beiträgen zu allgemeinen gesellschaftlichen Themen, die ich zur jeweils aktuellen Zeit verfaßt habe. Sie stellen meine perönliche Meinung dar.


Links:

http://www.kernenergie.de/

http://www.geldreform.de/

http://www.helmut-creutz.de/

http://www.berndsenf.de/

http://www. greenpeace.de/

Eine Verantwortung für den Inhalt der oben angegebenen websites wird aus rechtlichen Gründen abgelehnt.

    Impressum

Verantwortlich i.S.d. Presserechts: Joachim Hose-von Wolfframsdorff, 64665 Alsbach


joachim.hose@web.de


AKW-Weiterbetrieb

Der Betrieb von AKW hat einige Vorteile gegenüber konventionellen Kraftwerken:

  1. der CO2 -Ausstoß ist fast null.

  2. Man spart fossile Energieträger.

  3. Es gibt keine Schadstoffemmission in die Luft.


Dem gegenüber stehen einge Nachteile:

  1. Man hat das Problem der Endlagerstätten nicht gelöst.

  2. Abgebrannte Kernbrennstäbe müssen über weiter Strecken transportiert werden.

  3. Die radioaktive Verstrahlung bei einem Defekt des AKW kann sehr große Schäden verursachen.

Die Argumetation für und wieder AKW:

Für:

  1. AKW sind betriebssicher, weil rein rechnerisch nur alle 16000 Jahre ein GAU passiert

  2. Endlagerstätten sind sicher, weil der Müll über 100000 Jahre tief im Salzstock eingeschlossen wird.

Gegen:

  1. AKW sind unsicher, denn es kann jederzeit ein schwerer Unfall eintreten.

  2. Vorgesehene Endlagerstätten sind nicht geeignet, weil man über 100000 Jahre keine Prognosen über die Stabilität der Lagerstätten stellen kann.


Tatsache ist, daß es auf der Erde über 400 AKW1 gibt. Angenommen es gäbe auf der ganzen Erde gleich scharfe Sicherheitsrichtlinien wie in Deutschland, so daß man von einem GAU alle 16000 Jahre ausgehen kann, dann müßte es statistisch alle 40 Jahre einen GAU irgendwo auf der Welt geben. Der letzte war 1986 in Tschernobyl IV, der erste war 1979 Three mile island II in den USA.

Beim Unfall in den USA kam es zu einer teilweisen Kernschmelze mit Austritt von radioaktivem Krypton 85 in die Umwelt. Bei der Kernschmelze in der damaligen UDSSR wurden bekanntlich große Gebiete der Nordhalbkugel mit Caesium 137 belastet. 300.000 Menschen wurden umgesiedelt; es ist mit etwa 5000 bis 15000 Todesfällen als direkte Folge der Strahlenbelastung zu rechnen2.


Weiter ist Tatsche, daß das Umweltbundesamt Anfang der 80er Jahre zu dem Schluß kam, daß nach weiteren Endlagerstätten außer Gorleben gesucht werden sollte. Der offizielle Bericht wurde durch Einfluss von Regierungsstellen so abgeändert, daß im Schlußteil der Eindruck entstand, das Gorleben geignet sei und keine weiteren Stätten untersucht werden müßten.3

Momentan stürzen gerade Salzdecken im Versuchsendlager Asse II ein, weil Wasser eindringt4.


Fazit:

  1. die Sicherheitsberechnungen zu AKW scheinen ungefähr zu stimmen. Spätestens in 17 Jahren müßte wieder irgendwo ein GAU eintreten. Wie benötigen etwa 1700 GAUs der größe Tschernobyl, um die gesamte Landfläche der Erde so zu verseuchen, daß alle Menschen der Erde umgesiedelt werden müssen (neuer Planet). Bis dahin hätten wir noch ca. 68.000 Jahre zeit. Es geht hier nicht darum, daß wir alle 40 Jahre eine Gegend der Größe Bayerns unbewohnbar machen und mit 10000 Toten rechnen müssen. Das kann man wirtschaftlich irgendwie verkraften. Aber sollte das unsere morlische Aufgabe sein?

  2. Die Endlagerung von Atommüll ist nicht bevölkerungsgerecht durchzuführen. Egal wo ein Endlager gefunden werden sollte, es wird niemanden geben, der es vor seiner Haustür haben möchte. Das ist ein Argument, welches unabhängig von seiner sachlichen Richtigkeit immer bestehen bleiben wird. Der Willen eines ganzen Volksteiles kann in einer Demokratie nicht übergangen werden.

  3. Es stellt sich insgesamt die Frage, ob Technologien großtechnisch zum Einsatz gelangen sollten, die von einem Großteil der Bevölkerung verlangen sie zu akzeptieren, obwohl es sachlich wichtige Argumente gegen ihren Einsatz gibt. In Fall von AKW-Kernschmelzen kann sich niemand gegen eine Kontamination wehren. Es ist nicht so als ob man sich für oder gegen den Bau einer Strasse durch ein Wohn- oder Naturschutzgebiet entscheiden muß. Der Betrieb von AKW greift ins Leben jedes Einzelnen ein, ohne daß dieser sich dagegen wehren kann.

  4. Mit dem Aufkommen alternativer Energieerzeugung sollte sich die Argumentation für und wider AKW eigentlich aufgelöst haben. Es wäre heute möglich, alle AKW nach und nach durch alternative Anlagen zu ersetzen. Ein großes Thema dabei ist die Kraft-Wärmekopplung in Hauskleinanlagen. Dies würde zu einer Dezentralisierung der Stromerzeugung und damit zu einer Sozialisierung des Energiemarktes führen.

  5. Anhand der laufenden Diskussion um den Weiterbetrieb der AKW sieht man, daß es nicht um sachliche Argumente geht. Es geht um den Erhalt wirtschaftlicher Macht in den Händen weniger Großkonzerne. Es geht in diesem Fall nicht einmal um verlorene Arbeitsplätze, falls ein AKW abgeschaltet wird. Es geht um fast grenzenlosen Profit, der sich mit AKW erzielen läßt, wenn man die Umweltkosten und die Risiken sozialisiert, den Ertrag aber privatisiert.


  1. Die Frage die übrigbleibt ist, wieso sich ein Politiker für den Betrieb eines AKW entscheiden kann.











    Kritik des Wahlprogrammentwurfs 2009 der SPD




Der Wahlprogrammentwurf der SPD http://www.frankwaltersteinmeier.de/_media/pdf/Entwurf_Regierungsprogramm.pdf

enthält die folgenden Punkte, die eine Finanzierung der anderen Punkte des Wahlprogramms stützen könnten.


S. 27:

Anhebung des Spitzensteuersatzes als „Bildungssoli“. Wir machen mit dem Ziel des Bildungsgipfels 2008 Ernst, die gesellschaftlichen Ausgaben für Bildung und Forschung bis zum Jahr 2015 auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen und unser Land im Bildungsbereich zukunftsfähiger zu machen. Um dieses Ziel erreichen zu können, schlagen wir einen Zuschlag als „Bildungssoli“ bei der Besteuerung höchster Einkommen vor. Dabei wird der Spitzensteuersatz auf 47 Prozent ab einem zu versteuernden Einkommen von 125.000 Euro (Verheiratete 250.000 Euro) angehoben. wollen wir eine Börsenumsatzsteuer nach dem Vorbild der britischen Stempelsteuer in Höhe von 0,5 Prozent (Normalsatz) bis 1,5 Prozent (Sonderfälle) des Kurswertes auf börsliche Wertpapiergeschäfte ab einem Umsatz von 1.000 Euro einführen


Börsenumsatzsteuer. Zur Eindämmung kurzfristiger Spekulationen wollen wir eine Börsenumsatzsteuer nach dem Vorbild der britischen Stempelsteuer in Höhe von 0,5 Prozent (Normalsatz) bis 1,5 Prozent (Sonderfälle) des Kurswertes auf börsliche Wertpapiergeschäfte ab einem Umsatz von 1.000 Euro einführen. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass eine solche Steuer europaweit eingeführt wird.


Steuerhinterziehung bekämpfen und Steuerschlupflöcher schließen. In Deutschland werden jährlich viele Milliarden Euro an den Finanzämtern vorbeigeschleust und in Steueroasen verlagert. Die daran beteiligten Staaten müssen dazu gebracht werden, sich an die internationalen Standards des Informationsaustausches im Besteuerungsverfahren zu halten. Besteht diese Kooperationsbereitschaft nicht und kommt der Steuerpflichtige selbst seinen Mitwirkungspflichten ebenfalls nicht nach, so müssen Sanktionen verhängt werden können, wie z.B. die Einschränkung der Anerkennung von Betriebsausgaben/Werbungskosten. Nur mit entsprechenden Sanktionen kann die gesetzmäßige Durchsetzung des Steueranspruchs wieder sichergestellt werden. Wer Steuern hinterzieht, muss in Zukunft zudem einen deutlich höheren Zinssatz als die geltenden sechs Prozent zahlen. Durch diese Maßnahmen ist eine deutliche Einschränkung des bisherigen Steuerausfallvolumens zu erwarten.


Umsatzsteuerbetrug und organisierte Kriminalität bekämpfen. Ähnlich der internationalen Steuerhinterziehung werden auch beim Betrug mit Umsatzsteuer jährlich Milliarden Euro der Gemeinschaft der Steuerzahler vorenthalten, häufig auch durch betrügerische „Karussellgeschäfte“. Dieser kriminellen Energie muss entschieden 28 entgegengetreten werden und der Fahndungs- und Prüfungsdruck auf Umsatzsteuerbetrüger erhöht werden.


S.51

Weltweite Finanzarchitektur neu ordnen. Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise eröffnet neue Möglichkeiten zur politischen Neuordnung der weltweiten Finanzarchitektur. Wir wollen starke internationale Institutionen, die für Transparenz und Risikokontrolle sorgen und Fehlentwicklungen vermeiden. Kein Markt, kein Akteur, kein Staat und Territorium, kein Produkt darf unbeaufsichtigt bleiben! Wir treten ein für eine Stärkung von IWF und Weltbank, für mehr Rechte und Pflichten für die Schwellenstaaten und für eine vernehmbare europäische Stimme in den internationalen Finanzinstitutionen.


Soweit der Finanzierungsplan des SPD-Entwurfs.

Die meisten der anderen Punkte des Programmentwurfs sind mit einer Erhöhung der finanziellen Aufwändungen des Staates oder mindestens mit einer Umverteilung verbunden. Der Entwurf umfasst insgesamt 59 Seiten. Nur eine dieser Seiten (s. o.) befaßt sich mit der möglichen Finanzierung des Programms. Die anderen 58 Seiten des Programmes würden bei ihrer Durchsetzung bei über 90 % der Wähler zur Verbesserung ihrer Lebensumstände führen. Angenommen der Wähler selbst würde das auch so verstehen, warum wird die SPD seit langem von immer weniger Menschen gewählt?

Der Verlust der Wähler aus der früheren Arbeiterklasse ist sicher einer der Hauptgründe. Da nur noch 20 % aller Arbeitnehmer in der verarbeitenden Industrie arbeiten und von diesen 20 % noch viel weniger direkte Industrietätigkeiten ausüben, bleiben kaum noch gewerkschaftlich organisierte, der SPD nahestehende Arbeiter übrig, die die SPD wählen würden. Ein weiterer Grund ist sicherlich, dass viele derjenigen, die früher einmal SPD-Wähler waren heute nicht mehr wählen gehen, da sie gesellschaftlich abgekoppelt sind, und zum letzten Viertel der Bevölkerung gehören, denen jegliche politische und soziale Perspektive fehlt. Viele derjenigen aus dem bürgerlichen Lager und dem sozialistischen Einflußbereich, die früher SPD gewählt habe, weil sie sich mit einer sozialen Politik identifiziert haben, wählen heute Grün oder Dunkelrot, da sie sich hier scheinbar eher vertreten sehen.


Vielen Wählern ist mittlerweile bewusst, dass die Finanzierung von staatlichen Leistungen, aber auch von nichtstattlichen Leistungen das eigentliche Problem unserer Zeit darstellt. Der Wähler fühlt sozusagen, dass das Wahlversprechen “hohl” ist. Ihm sind die Zusammenhänge, die zur Finzanzierungslücke führen wahrscheinlich meist nicht bewusst, aber er ahnt schon, dass am Ende das Geld fehlen wird. Die hier im SPD-Wahlprogrammentwurf vorgestellten Maßnahmen sind deshalb sicher nicht ausreichend, um zu begründen, dass genügend Finanzierungsspielraum vorhanden sein wird, um die Maßnahmen des Programms umzusetzen. Die SPD möchte Maßnahmen ergreifen, die die Finanzlage des Staates verbessern, bleibt aber mit den vorgestellten Maßnahmen recht brav systemkonform. Wenn man so will fehlt es an revolutionären Ansätzen, die das System abwandeln, aber nicht umstürzen. Die Wähler wären dankbar für komplett neue Gedanken, neue Lösungsansätze. Nur, wer soll sie ersinnen, wer soll sie nach außen vertreten?


Sieht man sich die Zahlen an, merkt man schnell, dass der aktuelle Staatshaushalt hoffnungslos unterfinanziert ist und schon länger war. Wahrscheinlich werden dieses Jahr, natürlich auch durch die Finanzkrise ausgelöst noch einmal 100 Milliarden Euro Schulden hinzukommen. Bei aktuell etwa 1600 Milliarden Euro Gesamtschulden ist das doch ein recht großer Zuwachs.

Zu beschließen, dass die Schulden in Zukunft nicht mehr steigen dürfen, wirkt auf viele Wähler belustigend anstatt beruhigend, denn das hätte man ja auch schon früher beschließen können, wenn es so einfach wäre.

Der Staat benötigt im Schnitt jedes Jahr schätzungsweise 50 bis 80 Milliarden Euro mehr , um ordentlich funktionieren zu können. Der Programmentwurf der SPD geht darauf aber nicht ein. Wo soll dieses Geld herkommen? Die vier oben genannten Punkte des Programms geben darauf nur sehr wage eine Antwort. Das wäre aber etwas, was den Wähler interessiert. Wieviel bringt denn die Besteuerung der Börsenumsätze mit 0,5 % oder die Erhöhung des Spitzensteuersatzes? Reicht das aus?, fragt sich der Leser. Das das Geldkapital sehr ungleich in der Bevölkerung verteilt ist, weiß wahrscheinlich jeder. Aber dies richtig zum Thema zu machen und Mechanismen zu konstruieren, die diese Ungleichheit zurückdreht, dass fehlt im Entwurf des Wahlprogramms. Wenn heute wahrscheinlich 90% des Geldkapitals bei 10 % der Bevölkerung sitzt, dürfte es doch für die SPD keine Gefahr bedeuten dies zu benennen und auf die daraus folgende Problematik hinzuweisen:


  1. Monopolisierung des Geldkapitals mit immer größer werdendem politischem Einfluß

  2. automatische Vergrößerung des Geldkapitals durch immerwährende Zinsrückflüsse und damit weitere Monopolisierung des Geldkapitals

  3. immense zu Spekulationszwecken zur Verfügung stehende Geldmenge mit den gerade sichtbar gewordenen Folgen, wie einer Weltwirtschaftskrise.


Allein der Zinsrückfluß aus Geldvermögen ist mittlerweile so groß, dass damit der Staatshaushalt innerhalb weniger Jahre saniert werden könnte.


Auch wenn vielleicht im Moment niemand eine praktische, politisch durchsetzbare Lösungsmöglichkeit für die oben angeschnittenen Probleme hat, so wären sie doch zu diskutieren. Dann wären vielleicht auch die Wähler von “Dunkelrot” wieder bei der SPD-Stange. Es fehlt die Thematisierung der grundsätzlichen Probleme unseres Staatssystems. Der Wähler fühlt, dass es so wie bisher zukünftig nicht funktionieren kann, er sucht nach den richtigen Fragen dazu und findet niemanden der sie für ihn formuliert und der sich dann an die Aufgabe macht, Antworten zu erarbeiten. Dies könnte die Arbeit der SPD sein, der Partei mit dem wahrscheinlich größten Veränderungspotential.








    Beitrag zum 1. Mai 2009




Es ist mal wieder so weit: die Arbeiter gehen auf die Barrikaden. Aber warum denn? es geht doch noch einigermaßen.

Wo liegt eigentlich das Problem?


Auch HIER:



Auszug aus der offiziellen Statistik des Statistischen Bundesamts, dem Datenreport 2008.

zum Download des Berichts


Anhand der Daten des Reports kann gezeigt werden, daß wir ein „altes“ Problem haben.


Kapitel 4.1

Aus Kapitel 4.1, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, lassen sich die folgenden Daten entnehmen.




Die Abbildung drei zeigt die Verteilung der Wertschöpfung, vergleichend dargestellt an den Jahren 1991 und 2007. Es ist deutlich zu erkennen, daß der einzige relativ wachsende Wirtschaftsbereich der Anteil aus „Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleitungen darstellt. Dessen Anteil erhöht sich von 23,3 % auf 29,4 %, was einer relativen Vergrößerung um 25% nahekommt.






Die Tabelle 2 unterstützt diese Aussage. Der Anteil der Erwerbstätigen sinkt in fast allen Bereichen zwischen dem Jahr 1991 und 2007 relativ zur Gesamtheit. Eine Ausnahme stellen die Bereiche Finanzierung, Vermietung, Unternehmensdienstleistung und öffentliche und private Dienstleister dar. Hier steigt die Anzahl der Erwerbstätigen von 9,7 % auf 17,3 % bzw. von 25,7 auf 30,2 %.




Die Tabelle 10 stellt die Arbeitnehmerentgelte, Löhne und Gehälter der Jahre 2004 bis 2007 zusammen. Die Nettolöhne und -gehälter steigen in den vier betrachteten Jahren von 603,53 Mrd. Euro auf 621,70 Mrd. Euro, was einer Bruttolohnsteigerung je Arbeitnehmer von 2204 Euro monatlich auf 2262 Euro monatlich um 58 Euro pro Monat entspricht.

Die Tabelle 9 zeigt dazu die Verteilung des Volkseinkommens in den Jahren 2004 bis 2007. Die Arbeitnehmerentgelte aus dem Volkseinkommen steigen in dieser Zeit von 1137,07 Mrd. Euro auf 1181,03 Mrd. Euro, was aber einer prozentualen Verkleinerung dieses Anteils von 68,2 % auf 64,7 % entspricht. Woraus resultiert das?

Das zeigt die letzte Spalte der Tabelle 9. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen innerhalb dieser vier Jahre von 530,03 Mrd. Euro auf 643,18 Mrd. Euro. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 21 %, während die Einkommen aus Arbeitnehmerentgeld um etwas weniger als 4 % stiegen.






Kapitel 4.4


Das Kapitel 4.4, öffentliche Finanzen und öffentlicher Dienst, des Berichts bringt die folgenden Darstellungen.


Die Abbildung 7 zeigt den Anteil der Zinsausgaben der öffentlichen Haushalte an den Steuereinnahmen seit 1950. Man erkennt eine bis zum Jahr 1997 in etwa exponentiell steigende Zinsbelastung, die später wieder etwas zurückbleibt. Das würde bedeuten, daß sich die Steuereinnahmen seit 1998 erhöht habe müssen, denn die Zinsbelastung selbst ist nicht gesunken, wie die Tabelle 5 zeigt. Die Kreditmarktschulden stiegen von 1997 bis 2006 von ca. 1.12 Bill. Euro um 0,36 Bill. Euro auf 1,48 Bill. Euro.




Die Abbildung 1 zeigt sehr schön, wie die Einnahmen der öffentlichen Haushalte fast immer mit fast gleichem Abstand hinter den Ausgaben zurückbleiben. Es bleibt eine jährliche Haushaltslücke von im Mittel etwa 50 Mrd. Euro und das über einen Zeitraum von 14 Jahren. Man müßte mehr Mobilfunklizenzen verkaufen, könnte man sarkastisch meinen.





Folgerungen


Die Daten aus Kapitel 4.1 zeigen sehr deutlich, daß diejenigen Wirtschaftbereiche, die sich mit Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen befassen, überproportional wachsen. Sowohl die Anzahl der Beschäftigten in diesem Bereich, als auch die Wertschöpfung nimmt zu. Gleichzeitig steigt das Volkseinkommen aus Arbeitnehmerentgelten kaum noch an, während der Teil des Volkseinkommens der aus Unternehmen- und Vermögenseinkommen besteht, stark zunimmt (im Verhältnis 1:5).


Antiparallel zur Steigerung der Beschäftigtenzahlen und der Wertschöpfung dieses Bereiches sinken Beschäftigungszahlen und Wertschöpfung relativ in allen anderen Bereichen der Volkswirtschaft. Was bedeutet das?

Eine immer kleiner werdende Anzahl an Beschäftigten erwirtschaftet den Teil des Volkseinkommen, in dem die Wertschöpfung des einen relativ wachsenden Teiles der Gesamtwirschaft schon drin steckt: die Zinsen für Investitionen.

Wie Helmut Creutz in seinem Buch „ Die 29 Irrtümer rund ums Geld“ darlegt, betrugen die Bankzinserträge im Jahr 2000 ca. 370 Mrd. Euro. Davon muß man etwas für den Eigenbedarf der Banken abziehen, dann kommt man auf etwa 340 Mrd. Euro an Zinseinnahmen der Kreditgeber. Vergleicht man diese Zahl mit der in Tabelle 9, Kapitel 4.1 zu findenden Angabe über die Unternehmen- und Vermögenseinkommen von ca. 530 Mrd. (Jahr 2004), die im Jahr 2000 dann bei etwa 450 Mrd. gelegen haben dürften, sieht man, daß mehr als die Hälfte dieser Einkommen Zinseinkommen sein müssen. Wenn man davon genügend für den Staatshaushalt abzweige könnte, wär doch toll?



Weiter zeigt Kapitel 4.4, daß die Zinslast der öffentlichen Haushalte fast exponentiell zunimmt. Das resultiert aus der ständigen Unterversorgung der öffentlichen Haushalte mit Einnahmen und dem damit aufgetürmten Defizit. Es fehlen jährlich ca. 50 Mrd. Euro, die sich auf dem aktuell (2009) etwa 1.500 Mrd. Euro großen Schuldenberg anhäufen.


Anstatt nun zu versuchen auf einen Teil der ständig stark wachsenden Einnahmen aus Vermögen und Vermietung zuzugreifen, versucht die Regierung z.B. Sozialausgaben zu verkleinern. Einem Zehntel der Bevölkerung stehen heute etwa 50 % des gesamten Volkseinkommens zur Verfügung. Und wenn man dieses Zehntel noch einmal in zehn Teile aufteilt, dann stehen dem letzten Zehntel wiederum mehr als 50 % dieses 50%igen Anteils zur Verfügung.

Eine kleine Vorstellung dieses Zusammenhangs gibt Tabelle 2 des Kapitels 6.2, Einkommen, Armut, Verteilung. Hier sind die Einkommensverhältnisse der ärmsten 20 % der Bevölkerung denen der reichsten 20 % gegenübergestellt. Während den Ärmsten 20 % ca. 9 % des Volkseinkommens zur Verfügung stehen, sind es bei den Reichsten 20 % ca. 37% (im Jahr 2006).






Eine Studie (Link)des Rheinisch-Westfälische Instituts für Wirtschaftsforschung und Finanzwissenschaftliches Forschungsinstitut an der Universität zu Köln „Zusammenhang zwischen Steuerlast und Einkommensverteilung“ kommt Ende 2007 zu folgendem Schluß:





Das soll heißen, daß die Bezieher höchster Einkommen gegenüber denen mit hohen Einkommen in unserem Steuersystem bevorzugt werden. Sie zahlen nur 8,5 % des verfügbaren Haushaltseinkommens als Einkommensteuer, während die weniger Reichen 12,6 % zu zahlen haben. Angemerkt wird im letzten Satz dazu noch, daß die Statistik hinkt, weil gerade die Bezieher höchster Haushaltseinkommen in ihr unterrepräsentiert sind, was den Vorteil dieser Gruppe statistisch verkleinert.


Das alles heißt zusammengenommen: das Geld für unsere Gesellschaft ist da! Es liegt nur am falschen Ort.




Forderungen zum Arbeitertag 1. Mai 2009


  • Belastet die ganz Reichen und Reichen steuerlich proportinal zu ihrem Reichtum, nicht umgekehrt.

  • Verhindert, daß die Geldvermögenbesitzer auf Ihrem Reichtum sitzen bleiben, zwingt sie dazu Ihr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu stecken und zwar zu Zinsen, die nicht verboten hoch, sondern möglichst niedrig sind (siehe hierzu Bernd Senf, Helmut Creutz, Silvio Gesell uva.)siehe auch hier

  • Reglementiert die Finanzwirtschaft, gegen Turbokapitalismus, gegen Hedge-Fonds, gegen das Spiel mit dem Geld auf dem Rücken derjenigen, die das eigentliche Volkseinkommen erwirtschaften.

  • Laßt Euch nicht vom Kapital beherrschen, zwingt durch Eure Wahlbeteiligung die Regierenden zu Änderungen, die wirklich zu einem anständigerem System führen, zu höherer Lebensqualität, besserer Bildung, wirksamem Umweltschutz und einer gerechteren Welt





So, und nun rauf auf die Barrikaden!















1http://www.kernenergie.de/kernenergie/Themen/Kernkraftwerke/Kernkraftwerke_weltweit/index.php

2Wikipedia

3FR vom 24.09.2009

4FR vom 05.08.2008